Wenn du dich in letzter Zeit in Wellness-Kreisen aufgehalten hast, bist du vielleicht schon über Seed Cycling gestolpert. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Ansatz, der darauf abzielt, das hormonelle Gleichgewicht zu unterstützen. Oft wird er als einfache Methode angepriesen, um Menstruationsbeschwerden zu lindern, die Fruchtbarkeit zu fördern oder Stimmungsschwankungen zu stabilisieren. Das Konzept klingt verlockend: Iss bestimmte Samen in den unterschiedlichen Phasen deines Zyklus, um deine Hormone sanft „in die richtige Richtung zu lenken“. Klingt einfach – doch wie bei vielen Wellness-Trends ist die Realität etwas komplexer.
Was ist Seed Cycling?
Seed Cycling bedeutet, in bestimmten Phasen des Menstruationszyklus unterschiedliche Samen zu konsumieren. Typischerweise wird der Zyklus in zwei Phasen unterteilt:
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Follikelphase (Tag 1 bis zum Eisprung): Flachsamen und Kürbiskerne werden empfohlen. Flachsamen sollen den Östrogenstoffwechsel unterstützen, während Kürbiskerne Zink liefern, das später im Zyklus die Progesteronproduktion fördern kann.
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Lutealphase (Eisprung bis Tag 1 der Periode): Sonnenblumenkerne und Sesamsamen werden konsumiert. Diese Samen sollen die Progesteronproduktion unterstützen und helfen, das Östrogen auszugleichen.
Befürworter*innen sagen, dass diese einfache Routine Krämpfe lindern, den Zyklus regulieren und sogar die Stimmung stabilisieren kann, indem sie hormonelle Harmonie fördert. Manche Varianten beinhalten je nach Quelle auch andere Samen oder Nüsse.
Die wissenschaftliche Evidenz: gemischt
Hier wird es knifflig. Samen sind zwar nährstoffreich und liefern Ballaststoffe, gesunde Fette und Mineralien, doch die wissenschaftliche Unterstützung speziell für Seed Cycling ist sehr begrenzt. Die meisten Behauptungen basieren auf kleinen Studien, Einzelfallberichten oder Ableitungen aus der allgemeinen Ernährungsforschung.
Zum Beispiel enthalten Flachsamen Lignane, die den Östrogenspiegel im Körper beeinflussen können. Kürbiskerne liefern Zink, das für die Hormonproduktion essenziell ist. Sonnenblumen- und Sesamsamen liefern Vitamin E und weitere Antioxidantien. Diese Nährstoffe sind unbestritten gesund – doch ob der gezielte Verzehr in einem zyklischen Muster Hormone tatsächlich messbar beeinflusst, ist bisher nicht eindeutig belegt.
Nagarajan et al. (2025) führten beispielsweise eine Systematic Review (systematische Übersicht) zu Seed Cycling und samenbasierten Interventionen bei PMS und PCOS durch. Zwar deuteten einige Studien auf mögliche Vorteile hin, der Bericht stellte jedoch fest, dass die Evidenz auf kleinen Stichproben und unterschiedlichen Protokollen basiert. Eine echte Meta-Analyse konnte aufgrund dieser Limitationen nicht durchgeführt werden, was den Bedarf an sorgfältigeren Studien unterstreicht.
Ernährungsfachleute betonen daher: Seed Cycling ersetzt keine ärztliche Beratung. Frauen mit starkem PMS, unregelmäßigen Zyklen oder anderen hormonellen Problemen sollten medizinischen Rat einholen. Seed Cycling kann einen gesunden Lebensstil ergänzen, ist aber kein Wundermittel.
Praktische Hinweise
Wer Seed Cycling ausprobieren möchte, sollte auf Konstanz achten. Gemahlene Samen werden besser aufgenommen, besonders bei Flachs- und Sesamsamen. Üblich sind 1–2 Esslöffel pro Tag, zum Beispiel in Smoothies, Joghurt oder Salaten. Im Allgemeinen ist das Vorgehen für die meisten Frauen sicher, hohe Mengen bestimmter Samen können jedoch mit Medikamenten interagieren oder Verdauungsbeschwerden verursachen.
Zudem variiert der Menstruationszyklus individuell. Nicht jede Frau hat einen klassischen 28-Tage-Zyklus, daher sind Experimentierfreude und Flexibilität wichtig. Geduld zahlt sich aus – mögliche Effekte treten subtil und langsam ein.
Der Wellness-Aspekt: Komfort, Ritual und Achtsamkeit
Auch wenn die hormonellen Vorteile wissenschaftlich nicht eindeutig belegt sind, gibt es einen weiteren Grund, warum Seed Cycling beliebt ist: Ritual und Selbstfürsorge. Sich Zeit zu nehmen, um einen nahrhaften Snack vorzubereiten, den Zyklus zu beobachten und sich mit dem eigenen Körper vertraut zu machen, kann an sich bereits empowernd wirken. Manchmal zählt die konsequente Selbstfürsorge genauso viel wie die Zutaten selbst.
Hier können ergänzende Produkte, wie eine Tasse Kräutertee, perfekt in die Routine passen. Bei Beavida helfen Tees wie F the Pain oder sanfte Kamillenvarianten, die herausfordernderen Phasen des Zyklus in Momente der Ruhe zu verwandeln. Eine warme, unterstützende Tasse Tee während man Samen ins Frühstück streut, ist eine sanfte Möglichkeit, Selbstfürsorge und gesunde Ernährung zu kombinieren.
Fazit
Seed Cycling ist eine interessante, risikoarme Wellness-Praxis, die nährstoffreiche Samen und achtsames Essen in den Fokus stellt. Während die hormonellen Versprechen theoretisch verlockend wirken, fehlt es an belastbarer wissenschaftlicher Evidenz. Trotzdem fördert es das Bewusstsein für den eigenen Zyklus, liefert wertvolle Nährstoffe und kann beruhigende Rituale schaffen.
In Kombination mit anderen zyklusunterstützenden Gewohnheiten – Bewegung, Schlaf und Stressmanagement – kann Seed Cycling Teil eines ganzheitlichen Ansatzes für Menstruationswohlbefinden sein. Und ja, eine beruhigende Tasse Tee macht das Erlebnis gleich noch schöner. Denn die Unterstützung deiner Hormone hängt nicht nur von den Samen ab, die du isst – sondern auch davon, wie gut du dich um dich selbst kümmerst.